„Wir wollen Sicherheit und Qualität ausbauen“

WWS-Eisele GmbH - Frank Eisele

Herr Eisele, bringen Sie doch mal Licht in den Normungsdschungel. Welche Regelwerke sind für die Branche relevant?
Grundsätzlich sind es vier Normen, die im Fokus der Branche stehen. Die EN 15288 legt Sicherheitsaspekte bei der Planung und dem Betrieb öffentlich genutzter Bäder fest, zu denen auch Hotelpools und Schwimmbäder in Gemeinschaftseinrichtungen gehören. Die Anforderungen an die Wasserqualität werden in der DIN 19643 beschrieben, und die EN 13451 beschreibt die Ansprüche an die Produktsicherheit. Beispielsweise ist hier der Haarfangtest geregelt, damit es nicht zu gefährlichen Ansaugungen kommen kann. Der vierte Bereich betrifft die Sicherheit und Qualität in privat genutzten Schwimmbädern. Auf europäischer Ebene werden derzeit Standards erarbeitet, die sich sowohl auf den Bereich Beckenkonstruktionen als auch auf die Wasseraufbereitung und -qualität beziehen.

Wann ist mit der Veröffentlichung der Normen für privat genutzte Pools zu rechnen?
Je nachdem, wie schnell die Einsprüche gelöst werden können, werden die ersten Normteile nicht vor Ende des Jahres beziehungsweise Anfang 2015 veröffentlicht werden. Der Bundesverband Schwimmbad & Wellness e.V. (bsw) wird rechtzeitig davor Schulungen anbieten, in denen auch ich mich als Referent einbringe. So wollen wir sicherstellen, dass jeder Schwimmbadbaufachunternehmer, Großhändler und Hersteller die Chance hat, sich umfassend über die neuen Anforderungen zu informieren.

Kann man jetzt schon absehen, was sich ändern wird?
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir uns in Deutschland schon auf einem sehr hohen Niveau bewegen, was Qualität und Sicherheit angeht. Sowohl bei den Produkten als auch beim Bau. Aber man hat immer Luft nach oben. Wir wollen Sicherheit und Qualität in der Branche ausbauen. Vielfach orientieren sich die Schwimmbadbaufachunternehmen an den bsw-Richtlinien. Die bsw-Richtlinien sind im Übrigen ebenfalls anerkannte Regeln der Technik und als solche im Informationszentrum für Regelwerke im DIN gelistet. Auch wenn sich die europäischen Normen noch im Entwurfsstadium befinden, so ist davon auszugehen, dass das Thema Sicherheit weiter in den Vordergrund rückt. Nach dem Stand der Dinge soll beispielsweise der Schwimmbadbauer den Kunden beim Verkaufsgespräch auf den sicheren Betrieb eines Schwimmbades hinweisen, ihn über Risiken und Gefahren aufklären und dies auch dokumentieren. Vielfach wird das aber ohnehin schon gemacht.

Gibt es neben der Normung andere Bestrebungen, die Qualität in der Branche zu sichern?
Da es kein Berufsbild Schwimmbadbauer gibt und es nach aktuellen Umfragen nicht danach aussieht, dass sich in Kürze ein Ausbildungsberuf etabliert, setzen wir im Moment auf Schulungen – beispielsweise von Seiten des bsw sowie von Herstellern. Der Beruf des Schwimmbadbaufachunternehmers ist aber so facettenreich, dass es sich lohnt, eine Art „umfassende Grundqualifizierung“ anzubieten. Bislang war das ausschließlich der TÜV-Fernlehrgang „Geprüfter Schwimmbadbauer“, ein auf zwei Jahre angelegtes Fernstudium mit Präsenzphasen in einer TÜV-Prüfwerkstatt. Wer schneller zum Ziel kommen will, für den gibt es in Zukunft ein neues Angebot, den fünfmonatigen TÜV-Intensivlehrgang, an dessen Konzept ich mitgearbeitet habe.

Das klingt nach einem fachlich fundierten Angebot. Durch die Presse geistert oft das sogenannte Pool-Sicherheitszertifikat des TÜV Rheinland. Was ist das und wie bewerten Sie es?
Dieses Zertifikat soll die Sicherheit in Hotelpools dokumentieren, ist aber nach meiner Auffassung nicht mehr als ein ganz grober und sehr oberflächlicher Sicherheitscheck. Besser als nichts, aber keineswegs sollte sich ein Hotelbadbetreiber einzig und -allein darauf verlassen. Die vom TÜV zertifizierten Pooltester durchlaufen letztlich eine Art Schnellkurs. Klar können so offensichtliche Mängel aufgedeckt werden. Da aber eine umfassende fachlich fundierte Untermauerung fehlt, besteht die Gefahr, dass Risiken unentdeckt bleiben.

Ganz ehrlich: Ist die Arbeit für Qualität und Sicherheit in der Branche nicht manchmal auch sehr zäh?
Wenn ich ehrlich bin, die ein oder andere Sitzung kann sich ziehen. Da haben Sie Recht. Gerade in den europäischen Fachgremien gibt es oft eine Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen, Verfahren und Techniken, die in die Beratungen mit einfließen. Aber unterm Strich macht mir die Arbeit großen Spaß. Zum einen, weil ich sehe, dass es in allen europäischen Ländern ausgeprägtes Fachwissen auf dem Feld der Schwimmbadtechnik und -sicher-heit gibt. Zum anderen, weil man selbst seine Kompetenz und seine Sichtweisen erweitert. Und zum dritten, weil sich alle an den Zielen orientieren, das Qualitätsniveau zu erhöhen, einen fairen Wettbewerb zu erzielen und schließlich dem Kunden ein sicheres Schwimmvergnügen zu ermöglichen.

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