„Die Branche geht gestärkt aus der Coronakrise hervor“

Umfrage Pool- und Wellnessbranche zur Coronakrise
Das Coronavirus schwebt in diesem Jahr auch über der Pool- und Wellnessbranche. Foto: Messe Stuttgart/Adobe Stocks

Die Coronapandemie traf auch die Pool- und Wellness-Branche wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Von einem Tag auf den anderen mussten im Frühjahr sämtliche Veranstaltungen abgesagt werden, zum Beispiel die bsw-Jahrestagung. Seminare, Workshops, Schulungen, Messen? Nichts, nada, niente! Auch die Messe Stuttgart musste die für Ende Oktober geplante „interbad 2020“ nach langem Zögern schließlich doch auf nächstes Jahr verschieben.

Grund genug für uns in Erfahrung zu bringen, wie die Branche mit der Krise umgeht beziehungsweise umgegangen ist. Wichtigen Branchenvertretern haben wir dazu drei Fragen gestellt. Im Folgenden die Antworten. Stand: 29. Juli 2020

Und das sind die drei Fragen an die Branchenvertreter:

1. Was haben Sie im ersten ­Moment gedacht als es mit den Absagen der Veranstaltungen ­losging? Und wie haben Sie die Zeit seit dem Ausbruch der Krise erlebt – als Unternehmer einerseits und als Branchenmitglied andererseits?

2. Welche konkreten Auswirkungen haben die Pandemie, die Kontaktsperren und das weitgehend zum ­Erliegen gekommene Wirtschafts­leben Stand heute auf Ihr Unter­nehmen, beziehungsweise auf Ihre Organisation gehabt?

3. Welche Rückschlüsse und ­Konsequenzen ziehen Sie aus der ­Coronakrise für die Zukunft Ihres ­Unternehmens beziehungsweise für die der ­Pool- und Wellnessbranche?

Jürgen Bergmann, Zodiac Pool Deutschland

Jürgen Bergmann, Zodiac Pool Deutschland. Foto: bsw

1. Die Informationen haben mich erst richtig während unserer Zodiac-Premiumreise Anfang März erreicht. Danach wurden immer neue Hiobsbotschaften bekannt. Ich habe noch während meines anschließenden Urlaubs auf Zypern mit meinen Team-Managern telefoniert und am 16. März eine Sitzung und nachmittags eine Mitarbeiterversammlung einberufen, um den Split des Büropersonals in Homeoffice und Office zu verkünden. Außerdem hatten wir eine Telco mit dem Vorstand des bsw, um über die Jahrestagung zu beraten und zum Wohl unserer Mitglieder abzusagen. Wir hatten auch wirklich Glück, Zypern verlassen zu können, denn am 16. März wurde die Insel geräumt, am 14. März sind wir zurückgeflogen. Die Entwicklung war rasant, wie in einem Science Fiction von „naja was ist das und was kommt da“ Ende Februar bis zum Lockdown im März und den Horrornews aus Italien.

„Die Konsumenten werden es sich zuhause noch schöner und komfortabler machen.“

2. Für Zodiac Pool Deutschland und Fluidra Deutschland hatte die Pandemie nur Auswirkungen in der Arbeitsweise, da wir die kaufmännischen Abteilungen von heute auf morgen in Homeoffice und Office gesplittet haben, die Logistik und Produktion in Früh- und Spätschicht, um eine Durchseuchung zu vermeiden. Gottseidank ist das nie passiert und wir haben im kaufmännischen Bereich den Split seit Juni wieder aufgehoben. Unsere beiden Unternehmen werden am Ende vom Boom auf Pools und Zubehör profitierten, der von den Endverbrauchern ausgelöst wurde. Bedingt durch eingeschränkte Reisen oder Kindern im Haus ist die Nachfrage nach Pools immens gestiegen, gerade auch bei Stahlwandbecken. Leider hat das auch eine längere Lieferzeit in einigen Bereichen zur Folge.

3. Wir meinen, dass die Branche gestärkt aus der Krise hervorgeht. Das Verhalten der Konsumenten hat sich bezüglich Urlaub und Fernreisen gewandelt und wird sich sicherlich auch bei Fernreisen nicht so schnell ändern. Die Konsumenten werden versuchen, es sich zuhause schön(er) und komfortabel(ler) zu machen. Der Boom in 2020 auf Stahlwandbecken und günstige Kinderbadebecken wird eine spätere Nachfrage nach hochwertigen Pools erzeugen – ein Upgrade von der Einstiegsdroge zu mehr Komfort. Die größte Herausforderung für die Zukunft ist die Planbarkeit und wie lange uns „Covid-19“ noch beschäftigen wird.

Siegfried Binder, Binder GmbH & Co. KG/Hydrostar

Siegfried Binder, Binder GmbH & Co. KG. Foto: Tom Philippi

1. Die Krise hat uns auch kalt erwischt und wir haben mit Bestürzung darauf reagiert. Wir wollten unseren Mitarbeitern nicht zumuten, sich anzustecken. Deshalb haben wir alle Reisetätigkeiten eingestellt und, soweit es ging, auf Homeoffice umgestellt. Unseren Service konnten wir aber beibehalten. Die Lockerungen haben uns gutgetan, seit Juni können wir auch unsere Produkttests wieder durchführen.

„Die Branche hat profitiert und wird weiterhin profitieren. Viele haben ihren Pool nachgerüstet.“

2. Als Hersteller von Gegenstromanlagen haben wir durchaus profitiert. Weil viele Menschen auf ihren Urlaub verzichten mussten, haben sie ihren Pool nachgerüstet oder überhaupt erst einen gebaut, um zuhause schwimmen zu können. Von daher haben wir im Großen und Ganzen unsere Ziele erreicht.

3. Ein „Weiter so“ wird es meiner Ansicht nach nicht geben. Wir als Binder GmbH stellen uns etwas anders auf, und ich bin sicher, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen. Aber die ganze Branche hat profitiert und wird weiter profitieren. Das muss man ganz klar sagen!

Yves Burgener, Aqua Solar

Yves Burgener, Aqua Solar. Foto: Aqua Solar AG

1. Im ersten Moment waren wir sehr überrascht über die Geschwindigkeit, mit der die „Covid-19“-Welle auf uns zukam. Man wusste nicht, können unsere Fachhändler und wir noch arbeiten? Werden wir noch beliefert? Werden unsere offenen Rechnungen bezahlt? Viele unbekannte Themen standen im Vordergrund und ganz viele Fragen stellten sich. Glücklicherweise muss man sagen, konnten die meisten unserer Kunden mit wenigen Einschränkungen weiter arbeiten. Die Italienisch und die Französisch sprechende Schweiz waren vom Virus stärker betroffen als die restliche Schweiz.

„Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell wir aus der „normalen“ Bahn geworfen werden können.“

Dort konnte zum Teil gar nicht oder nur noch reduziert gearbeitet werden. Größere Baustellen waren bis zu drei Wochen ganz geschlossen. Betrachtet man die Krise aus heutiger Sicht, hat sie sich bisher nicht negativ auf unsere Branche ausgewirkt. Eher das Gegenteil: Unsere Händler sind bis weit in den Herbst, teilweise bis ins nächste Jahr ausgebucht.

2. Wir und die gesamte Branche gehören momentan zu den Gewinnern, die praktisch keine Auswirkungen der Pandemie gespürt haben.

3. Das Ausmaß dieser Pandemie hat uns ­gezeigt, wie schnell wir aus unserer „normalen“ Bahn geworfen werden können und wie ­verletzlich wir letzten Endes sind. Nach ein­gehenden internen Prüfungen und Anpassungen, der Offertgültigkeiten, der Zahlungsfristen und der Debitorenausstände haben wir unseren Kunden empfohlen, dasselbe zu tun. Die nahe Zukunft wird für uns alle sehr herausfordernd werden und wir kommen nicht darum herum, in den nächsten Monaten oder sogar Jahren mit dem Virus leben zu müssen. Unser Bestreben bleibt weiterhin, einen guten Job auszuführen.

Bert Granderath, Grando/bsw/EUSA

Bert Granderath, Grando. Foto: bsw

1. Im ersten Moment war ich geschockt und verunsichert. Dass ein Virus auch derartige wirtschaftliche und soziale Veränderungen mit sich bringt, damit hatte niemand gerechnet. Es war schnell klar, dass in den nächsten Wochen und Monaten viele Veranstaltungen gecancelt werden. Deshalb mussten wir auch schweren Herzens alle Verbandsveranstaltungen bis auf Weiteres absagen. In unserem Unternehmen wurden natürlich alle erforderlichen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Produktion, Verwaltung und Vertrieb konnten weiterarbeiten, wenn auch eingeschränkt. Abstand halten, Mitarbeiter und Kunden schützen und jeden nicht nötigen Kontakt vermeiden – das ist bis jetzt unsere tägliche Herausforderung.

2. Als internationales Unternehmen erlebten wir die Auswirkungen der länderspezifischen Einschränkungen sehr differenziert. Der Lockdown führte in Deutschland zu einem Cocooning. Das veränderte Konsumentenverhalten und eine anhaltende Schönwetterlage verlagerten das Leben eher in den heimischen Garten, was einen regelrechten Outdoorboom erzeugte. Dabei standen auch Schwimmbecken und Zubehör im Fokus, was wir an einer zunehmenden Endverbrauchernachfrage spürten. Aber auch die Auftragslage ist dadurch positiv beeinflusst worden. Die Zusammenarbeit mit unseren Fachhändlern wurde durch die Kontaktsperren geprägt und so mussten wir uns neuen Herausforderungen stellen. Kundentermine, Montagen und Beratungen wurden umgestaltet und neu überdacht.

 “Das Coronavirus wird das ­Konsumentenverhalten noch eine lange Zeit prägen.“

Auch wenn die Digitalisierung unsere Zukunft ist, besteht nach wie vor ein Unterschied zwischen dem persönlichen Kontakt oder einem Dialog über digitale Möglichkeiten. Man kann das Ganze meiner Meinung nach von zwei Seiten betrachten: zum einen als eine Art Probe und zum anderen als eine Lektion. Es war für uns in der Vergangenheit selbstverständlich, viele Veranstaltungen und Meetings zu besuchen. Dabei haben wir wie selbstverständlich das Reisen, die Kosten und auch die Umweltbelastung in Kauf genommen. Durch die Pandemie wurden wir gezwungen unsere Komfortzone zu verlassen und Alternativen zu finden. Dafür sind die neuen digitalen Möglichkeiten passend. Mit „Skype“, „Zoom“ oder „Teams“ können wir öfter am Standort bleiben und trotzdem länderübergreifend kommunizieren und verhandeln. Gefühle, Emotionen und Sympathien können bei einer direkten Kommunikation aber ganz anders vermittelt und wahrgenommen werden. Wir werden in Zukunft einen guten Mix haben.

3. Vor einigen Jahren haben wir bereits die Digitalisierung in unserem Unternehmen vorangetrieben. Das hat uns in den letzten Monaten sehr geholfen und wir werden es weiter ausbauen. Das Coronavirus wird das Verhalten der Konsumenten aber noch lange prägen. Wir gehen zwar mit der Zeit, aber unsere traditionellen und tief verwurzelten Werte und Philosophien verlieren wir dabei nicht.

Johannes Gunst, Topras

Johannes Gunst, Topras. Foto: Topras GmbH

1. Wir alle waren von der schnellen Entwicklung der Coronasituation überrascht und man war unsicher, weil selbst die Politiker täglich neue und teils widersprüchliche Informationen herausgegeben haben. In unserem Verband haben wir sofort alle Schulungen und Tagungen abgesagt. In unserem Unternehmen haben wir die Mitarbeiter durch Homeoffice schützen können.

2. Zunächst hatten wir Bedenken, dass gerade die Aufträge in der mittleren Preisklasse entweder zurückgestellt oder sogar storniert werden. Das Gegenteil war aber der Fall: Durch die Reisebeschränkungen haben wir einen deutlichen Umsatzzuwachs. Unsere Mitglieder hatten das Glück, dass sie auf den Baustellen arbeiten und so ihre Aufträge durchführen konnten. Wir hatten regelmäßigen Kontakt mit allen unseren Herstellern, um sicherzustellen, dass es keine Versorgungslücken bei unseren Fachhändlern gab.

 “Unsere Mitglieder hatten das Glück, dass sie auf den Baustellen arbeiten konnten.“

3. Dadurch, dass die Schwimmbadbauer von der Auftragsflut überrollt wurden, ist es wichtig, auch die Dienstleistung, Betreuung, Reklamationsbearbeitung, also das gesamte Thema Aftersales, ernstzunehmen. Denn nach der Coronazeit ist es wichtig, eine treue Stammkundschaft zu erhalten. Wichtig als solides Unternehmen ist es, sich eine sichere Basis zu schaffen und zu erhalten, um für eventuelle Krisensituationen wie zum Beispiel die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit, die momentan in den Medien sehr prägnant angekündigt werden, ohne Schaden zu überstehen. Wir sind sicher, dass ein enger Zusammenhalt in unserem Topras-Verband schwierige Situationen erleichtern wird.

Christine Henne, Schwimmbad Henne/Sopra

Christine Henne, Schwimmbad Henne/Sopra. Foto: Schwimmbad Henne

1. In den ersten Tagen war die Situation für unseren Betrieb schwer einschätzbar. Terminabsagen durch Kunden für Lieferungen, Montagen oder auch Beratungen aus Vorsicht oder gar Angst, haben uns sehr verunsichert. Doch dies hat sich nach kurzer Zeit gewandelt, als den Menschen bewusst wurde, welche Einschränkungen auf uns zukommen werden. Somit haben wir eine sehr turbulente Zeit erlebt. Wir wurden regelrecht „überrannt“. Es gab und gibt viele Anfragen nach einer kurzfristigen, schnellen Lösung für Badespaß im eigenen Garten. Leider konnten wir nicht alle Wünsche erfüllen, da die Lieferzeiten der Hersteller täglich länger wurden und es nun teilweise erst im Herbst wieder gewisse Produkte gibt. Branchenveranstaltungen vom bsw oder auch die Sopra-Tagung mussten leider komplett abgesagt werden. Auch hatte unser Unternehmen bereits Stellplätze auf Messen gebucht, die dann zunächst vorschoben wurden und nun gänzlich abgesagt sind.

„Das Thema ,Outdoor-Living‘ ist in den letzten Wochen noch mehr in den Vordergrund gerückt.“

2. Auch wir haben zunächst einige Wochen auf „Schichtarbeit“ und Homeoffice umgestelltt. Unser Ladengeschäft war für fünf Wochen geschlossen, hatten unseren Kunden aber angeboten, Ware zu bestellen und gegen Rechnung vor der Ladentür abzuholen. Dies wurde sehr gut angenommen. Leider haben sich mehrere Beckenlieferungen verschoben. Dies konnten wir kompensieren, in dem wir teilweise vorab die Filter- und Dosiertechniken montiert haben. Einige Monteure haben auch unser Serviceteam bei Inbetriebnahmen unterstützt. Auch bei der Sopra gingen vermehrt Bestellungen ein, sodass teilweise im Zentrallager vorgehaltene Produkte zur Neige gingen.

3. Unsere Branche zählt zu den Gewinnern der Krise. Viele möchten nun ihr Eigenheim zu einer Wohlfühloase machen oder aufwerten. Hierzu gehören neben Grills und Loungemöbeln auch Pools, Whirlpools, Saunas. Das Thema „Outdoor-Living“ ist noch mehr in den Vordergrund gerückt. Obwohl wir hauptsächlich im gehobenen Segment tätig sind, haben wir in diesem Jahr sehr viele einfache Stahlwandbecken verkauft und konnten somit viele neue Poolbesitzer glücklich machen, die in diesem Jahr Ihr Urlaubsgeld anderweitig investiert haben. Wir hoffen, dieser positive Trend hält auch in den kommenden Jahren an.

Armin Herger, Speck Pumpen

Armin Herger, Speck Pumpen. Foto: Speck Pumpen Verkaufsgesellschaft GmbH

1. Bereits am 3. März haben wir damit begonnen, die Arbeitsprozesse auf mögliche Beeinträchtigungen durch die Pandemie anzupassen und unsere Belegschaft vorzubereiten. Im großen Stil wurde Soft- und Hardware geordert, um kurzfristig 50 Arbeitsplätze ins Homeoffice zu verlagern. Die gewerblichen Mitarbeiter wurden in Teams eingeteilt, um die Zahl der gleichzeitig im Unternehmen Anwesenden deutlich zu reduzieren. Hygienekonzepte wurden ausgearbeitet und umgesetzt; Masken und Desinfektionsmittel in ausreichender Menge vorgehalten, Abstandsmarkierungen und Spuckschutze montiert. So haben wir alles in allem relativ reibungslos in den neuen „Coronaalltag“ hineingefunden. Mit wöchentlichen „Corona-Updates“ wurden alle Mitarbeiter über die weitere Vorgehensweise informiert. Dank der Bereitschaft aller, die Krise gemeinsam zu meistern, konnten wir für unsere Kunden weiter eine hohe Liefersicherheit bieten. Um weiter zuverlässig produzieren zu können, musste auch die Materialverfügbarkeit gewährleistet werden. Da wir von Warenlieferungen aus Asien unabhängig waren und sind, konnten wir bisher die Materialversorgung sicherstellen. Nur Waren, die wir aus Spanien und Italien beziehen, bereiteten uns einige Sorgen.

 “Ich hoffe sehr, Kontakte bald wieder von Mensch zu Mensch leben zu können.“

2. Heute läuft der Betrieb unter Befolgung der Hygiene- und Abstandsregeln reibungslos, wir haben uns auf die Situation eingestellt, mit den neuen Umgangsformen arrangiert, aber dennoch sehnen wir uns ein Stück unserer früheren Normalität wieder zurück. Am meisten haben wir alle vom Lerneffekt in puncto Kommunikation profitiert. Videokonferenzen, Online-Schulungen und vieles mehr hätten wir uns früher nicht vorstellen können. Heute werden diese Tools genutzt und hoffentlich auch in Zukunft dort, wo es sinnvoll ist, weiter verwendet. Persönliche Treffen und freundschaftliches Händeschütteln vermissen wir trotzdem schmerzlich. Ich hoffe sehr, Kontakte bald wieder von Mensch zu Mensch leben zu können. Ohne Angst vor Ansteckung.

3. Erfahrungen und veränderte Wertevorstellungen werden die Zukunft verändern. Ich erhoffe mir nachhaltig wirkende Einsichten. Darüber, dass die Produktion im eigenen Land wieder gestärkt werden muss. Dass Schlüsselindustrien nicht flächendeckend aus Effizienz- und Profitgründen ins ferne Ausland verschoben werden dürfen. Aber auch, dass Urlaub nicht zwangsläufig mit zehn Flugstunden verbunden sein muss. Dass wir in unserem Land nicht immer nach dem Haar in der Suppe suchen sollten. Klar, ist auch bei uns nicht immer alles perfekt. Aber wir haben allen Grund, uns mehr in Zufriedenheit zu üben. Und in Dankbarkeit dafür, dass wir und unsere Liebsten gesund sind. Bei vielem, was uns als selbstverständlich erschien, hat uns Corona eines Besseren belehrt. Das sollten wir am Ende nicht einfach wieder vergessen.

Wolfgang Irndorfer, Peraqua

Wolfgang Irnodorfer, Peraqua. Foto: Joachim Scheible

1. Zum Glück haben wir unsere „Peraqua Innovationstage 2020“ bereits Ende Jänner 2020 für 150 Fachhändler in Österreich abgehalten. Somit waren alle unsere Partner rechtzeitig vor dem Eintreffen der Krise in Europa über die neuen Peraqua-Innovationen für die Saison informiert. Durch eine schnelle, unkomplizierte und unbürokratische Adaptierung der internen Prozesse und Abläufe ist es uns gelungen den gesamten Produktionsbetrieb, wie auch Logistik, Service, Vertrieb und Marketing, während der gesamten Krise für unsere weltweit tätigen Kunden hundertprozentig aufrechtzuerhalten. Dank dem überdurchschnittlichen und flexiblen Einsatz unserer Mitarbeiter und strategischen Lieferanten hat die „Supply Chain“ optimal funktioniert.

„Dank dem flexiblen Einsatz unserer Mitarbeiter hat die „Supply Chain“ optimal funktioniert.“

2. Peraqua hat bereits vor der Krise einen relativ hohen Grad an Digitalisierung im Unternehmen gelebt, welcher uns und unseren Kunden nun zugutegekommen ist. Anstatt gewohnter Dienstreisen wurden mehr Videokonferenzen durchgeführt, was sich für viele auch als Erleichterung im Tagesgeschäft dargestellt hat. Den Kontakt zu unseren Kunden haben wir auch via zusätzlicher Telefonleitungen, flexibler Telearbeitsplätze für einen Teil unserer Mitarbeiter optimal umgesetzt und gehalten. Generell können wir bestätigen, dass Peraqua und sicherlich ein Teil der Marktbegleiter auf einen sehr fordernden Start der Poolsaison 2020 zurückblicken können, jedoch auch zu den Branchen gehören, die sich 2020 und auch 2021 gut weiterentwickeln werden.

3. In dieser Krise hat sich deutlich gezeigt, dass wir mit dem eigenen Produktionsstandort in Österreich gegenüber Lieferanten aus Fernost einen großen Wettbewerbsvorteil boten. Kurzfristig konnten wir auch große, zusätzliche Kundenaufträge abwickeln und viele neue Kunden gewinnen. Den Grad der Digitalisierung wird die Poolindustrie schneller als bisher gedacht steigern müssen. Hier ist die Branche noch sehr gefordert. Dass unsere Kunden durch den Einkauf unserer Produkte „made in Austria“ und den höheren Grad an Digitalisierung auch den ökologischen „Foot Print“ verkleinern, ist ein sinnvoller Nebeneffekt für die kommenden Generationen.

Simon Janca, Niveko

Simon Janca, Niveko. Foto: Niveko s.r.o.

1. Die Situation war in der mehr als 25-jährigen Geschichte von Niveko völlig neu. Meine Gedanken zielten hauptsächlich darauf ab, zwei grundlegende Prioritäten zu kombinieren: das Unternehmen betriebsfähig zu halten und gleichzeitig die Gesundheitsrisiken für die Mitarbeiter zu minimieren. Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, wurde von allen Mitarbeitern genutzt, bei denen es möglich war. Wir haben strenge Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit unserer Produktionsmitarbeiter getroffen, insbesondere das Tragen von Masken und eine verstärkte Desinfektion. Dank der Moral unserer Mitarbeiter, die alle Maßnahmen eingehalten haben, mussten wir die Produktion nicht unterbrechen.

„Ich bin stolz darauf, dass wir die Krise als Team gemeinsam bewältigt haben.“

2. Durch leicht zugängliche moderne Technologien haben wir die Arbeit im Homeoffice ohne größere Schwierigkeiten koordiniert. Trotz der eingeschränkten Reisemöglichkeiten sind wir in engem Kontakt mit unseren Partnern geblieben, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir sie auch wieder persönlich treffen werden. Was bereits in den Ländern geschieht, die ihre Grenzen für ausländische Besucher wieder geöffnet haben.

3. Die Krise hat uns die Möglichkeit gegeben, eine Situation ohnegleichen zu erproben, und ich bin stolz darauf, dass wir sie als Team gemeinsam bewältigt haben. Paradox ist die Tatsache, dass es der Poolbranche aufgrund der europaweit getroffenen Sicherheitsmaßnahmen ausgezeichnet geht und ich die Aussichten für die Zukunft äußerst positiv sehe.

Wendelin Jehle, Deutsche Gesellschaft für naturnahe Badegewässer (DGfnB), Schleitzer baut Gärten

Wendelin Jehle, DGfnB, Schleitzer baut Gärten. Foto: Schleitzer baut Gärten

1. Im ersten Moment bekam auch ich Angst vor den Auswirkungen, die dieses Virus auf mich persönlich, auf meine Familie und auch auf die Zukunft sowohl unserer Firma mit 35 Mitarbeitern und deren Familien als auch auf die gesamte Branche hat. Die Tragweite der tatsächlichen Folgen konnte ich anfangs nicht erkennen. Bei Entscheidungen verließ ich mich auf die Darstellungen aus der Wissenschaft. Aus Rücksicht auf die Menschen und um die Gefahr einer Verbreitung nicht weiter zu erhöhen haben wir umgehend die für Mitte März geplante DGfnB-Fachtagung nebst Mitgliederversammlung und das erste Modul des Fachkraftlehrgangs abgesagt. Diese Maßnahme wurde anfangs von Vielen als übertrieben angesehen. Aber schon eine Woche später wurde allen klar, dass diese vom Verband getroffene Entscheidung die einzig richtige war.

„Die Nachfrage nach Schwimmteichen und Naturpools war noch nie so hoch wie jetzt.“

2. Wir haben erhebliche Änderungen im Betriebsablauf zur Reduzierung der Ansteckung veranlasst. Beratungen vor Ort werden nur noch mit Mundschutz und nach telefonischer oder schriftlicher Anmeldung durchgeführt. Für unsere Mitarbeiter haben wir neue Arbeitsregeln und Hygienemaßnahmen getroffen. Die Produktivität des Betriebs hat stark gelitten. Trotzdem waren diese Entscheidungen richtig, denn bis zum jetzigen Tag hat sich kein Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt. Die Auftragslage hat sich nicht verschlechtert, ganz im Gegenteil: Die Nachfrage nach Schwimmteichen und Naturpools war noch nie so hoch wie jetzt. Die Erkenntnis, dass man durch eine Aufwertung des eigenen Gartens Entspannung und Urlaubsgefühle auch zuhause erleben könnte, ist gewachsen.

3. Ich glaube, dass Corona viele Menschen zum Nachdenken gebracht hat. Meine Hoffnung ist, dass sich die Wertschätzung der Menschen zueinander und miteinander nachhaltig verbessert und dass sich Gier und Egoismus hoffentlich als nicht mehr so erstrebenswert erweisen. Dieses winzige Virus hat uns mal wieder gezeigt, dass wir von der Kraft der Natur noch viel zu wenig wissen. Die Erkenntnis, dass wir unsere Umwelt nicht nur anders und bewusster wahrnehmen und diesen natürlichen Gesetzen fundierter und tiefgründiger folgen sollten, ist eine Aufforderung an alle Menschen: selbst handeln – eigenverantwortlich und zum Wohle unserer Umwelt.

Otmar Knoll, Whirpools World One, Whirlcare Industries

Otmar Knoll, Whirlpools World One, Whirlcare Industries

1. Aufgrund der Nachrichten aus Österreich und Italien ahnte ich schon Mitte Februar, dass sich „Covid-19“ auch auf Deutschland auswirkt. So haben wir den Lagerbestand mit sämtlichen Zulieferteilen für mindestens sechs Monate aufgefüllt. Als dann Mitte März die Pandemie ausgerufen und der Lockdown verordnet wurde, galt unsere Sorge den Mitarbeitern und deren Familien sowie der Sicherstellung, dass für uns alles so weiterläuft wie bisher. Wir haben sofort Schutzmaßnahmen eingeführt und alle Mitarbeiter schon vor dem Lockdown ausgestattet. Wir haben es geschafft, im gesamten Zeitraum alle Arbeitsplätze zu sichern und sogar neu einzustellen. Als Branchenmitglied war mir klar, dass aufgrund des Lockdowns die Definition von „Wellness zuhause“ eine neue Bedeutung bekommt. Da unsere Firmenphilosophie schon seit jeher auf Gesundheit abzielt, ist es meine Aufgabe, mit unseren Produkten den danach orientierten Kundeninteressen gerecht zu werden. Gerade in Krisenzeiten besinnen sich Kunden auf das wirklich Wichtige.

 “Die Definition von „Wellness zuhause“ hat in der Krise eine neue Bedeutung bekommen.“

2. Wir durften erfahren, wie monumental wichtig unsere Fertigungstiefe „made in Germany“ ist. Viele Hersteller in Amerika und Asien mussten ihre Produktion vor allem wegen geringer Lagerhaltung oder Unterbrechung der Lieferketten einstellen. Wir hatten bei uns dagegen keinen Tag Ausfall. Die Kommunikation und Erreichbarkeit unserer Händler und Kunden wurde etwas schwieriger und für unsere Mitarbeiter das Arbeiten mit Schutzausrüstung beschwerlicher. Trotzdem hatten wir eine voll ausgelastete Produktion und viele Bestellungen und konnten auch die Auslieferungen gewährleisten. Unsere Mitarbeiter haben einen tollen Job mit „Skype“, E-Mail und am Telefon gemacht. Seit den Lockerungen freuen wir uns sehr über die große Nachfrage von Whirlpools und Swimspas und verfolgen unsere wirtschaftlichen Ziele so, wie vor der Krise.

3. Die erhöhte Lagerhaltung hat sich ausgezahlt. Kurze Wege und der Verzicht auf eine „Just-in-Time“-Produktion waren extrem wichtig. Der vermeintliche Preisvorteil über ein, zwei Jahre der angeblich günstigeren Produkte aus Asien relativiert sich schnell, wenn Sie für acht Wochen die Produktion oder den Verkauf einstellen müssen nur, weil Ihnen die Lieferkette wegbricht. Die Krise hat außerdem die Nachfrage nach „made in Germany“, besserer Qualität und Innovationen wesentlich erhöht. Bestärkt durch die akribische Arbeit aller Beteiligten ist die Konsequenz aus der Krise genau die Gleiche wie vorher auch: Es zählt die Summe der Erfolge und die Kraft der Überzeugungen.

Rainer Kunz, EOS Saunatechnik

Rainer Kunz, EOS Saunatechnik. Foto: EOS Saunatechnik

1. Als sich Anfang März die katastrophalen Meldungen aus Italien überschlugen und in Deutschland die bekannten und aus heutiger Sicht absolut richtigen Maßnahmen eingeleitet wurden, war unsere erste Priorität, das Personal sofort und bestmöglich zu schützen. Obwohl nahezu unsere gesamte Verwaltung bis Anfang Mai aus dem Homeoffice arbeitete, haben wir an jedem Arbeitstag produziert. Alle machbaren Schutzmaßnahmen zur Absicherung unserer gewerblichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden sofort umgesetzt. Bis heute konnten wir die gesamte Belegschaft der EOS Group Deutschland und auch unseres Unternehmens EOS Russland gesund und sicher durch die Coronazeit bringen. Wir tun alles, damit dies auch so bleibt. Im Fokus unseres Handelns stand darüber hinaus das Bestreben, unsere Kunden und Geschäftspartner national und international zu unterstützen. So haben wir zum Beispiel die Zahlungsziele unserer Kunden verlängert. Im Rahmen der Diskussion, „interbad 2020 – ja oder nein“ haben wir uns für eine Verlegung auf 2021 stark gemacht. Diese Messe ist sehr bedeutsam für unseren Markt. Wir können es uns nicht erlauben, das Image durch eine möglicherweise schwache „interbad 2020“ zu beschädigen. Dies wäre ein sehr schlechtes Signal für künftige Messen dieses Formats und würde einen nachhaltigen Schaden für das Erfolgskonzept dieser Veranstaltung bedeuten. Die Branche wird im September 2021, die Beseitigung des Coronaproblems vorausgesetzt, in bewährter Weise in Stuttgart präsent sein. Bis dahin gilt es, alternative Wege der Kontaktpflege im Markt zu entwickeln.

 “Bis heute konnten wir die gesamte Belegschaft gesund und sicher durch die Coronazeit bringen.“

2. Es ist uns in jedem Moment gelungen, sowohl im Umgang mit unserer Belegschaft wie auch im Kontakt mit unseren Kunden, Ruhe zu bewahren. Die Vertriebsmitarbeiter bemühten sich intensiv, Kontakt zu unseren Kunden und Partnern zu halten, insbesondere auch zu denjenigen, welche sich in extrem betroffenen Regionen und Ländern befinden. Unser Personal konnte sich zu jeder Zeit auf den Arbeitgeber verlassen. Wirtschaftlich gesehen haben wir bis jetzt großes Glück. Unser Geschäft hat sich auch während der Hochphase der Krise planmäßig entwickelt. Temporäre regionale Umsatzeinbrüche, vor allem in den massiv betroffenen Ländern, konnten wir ausgleichen. Auch von unseren Kunden in Deutschland hören wir größtenteils, dass sich deren Geschäft nun wieder der Normalität nähert und keine größeren Schäden entstanden sind.

3. Es war richtig, die Sicherheit und Gesundheit der eigenen Mannschaft in den Vordergrund zu stellen. Das würde ich jederzeit wieder so machen. Wir hatten keinerlei Stillstand und konnten unsere Kunden in der schwierigen Phase jederzeit beliefern und in gewohnter Weise betreuen. Wir waren zwar jederzeit lieferfähig, da wir sofort im März die Materialabrufe bei unseren Lieferanten erhöht haben. Dies stößt jedoch aus Sicht der Lieferanten schnell an Grenzen. Daher werden wir unsere Lagerhaltungsstrategie überdenken. Eine intensive und partnerschaftliche Kundenbindung ist unbezahlbar, gerade in schwierigen Zeiten ist man gemeinsam stärker. Unsere Branche hat die Coronakrise bisher gut überstanden. Gesundheitsfördernde Produkte sind zunehmend gefragt, das Bewusstsein der Menschen hierfür wächst weiter. Der begonnene Trend wird uns weiterhin begleiten und unseren Markt positiv beeinflussen. Die Sensibilisierung und Information der Endkunden für ein umfassendes Gesundheitsbewusstsein und die Unterstützung und Förderung durch Wellnessprodukte sollte noch weiter forciert werden.

Hans Poinstingl, Leidenfrost-pool/ÖVS

Hans Poinstingl, Leidenfrost-pool/ÖVS. Foto: Leidenfrost-pool GmbH

1. Die Absage der wichtigsten Branchenveranstaltung in Österreich, „pool + garden“ in Tulln, war durch die mediale Berichterstattung vorhersehbar und für mich nicht überraschend. Wir hatten zu dieser Zeit einen tollen Auftragsstand, deshalb war diese Messeabsage für unsere Firma das kleinere Problem. Für den ÖVS fiel eine wichtige Veranstaltung aus dem Terminkalender. Als Unternehmer denkt man in so einer Zeit als erstes an die Mitarbeiter/innen und deren Gesundheit. Die wirtschaftlichen Bedenken sind nicht minder wichtig: Wann und wie kann ich Aufträge abwickeln? Sind die Projekte für die kommenden Jahre finanzierbar? Muss ich gar Kündigungen aussprechen?

 “Als Unternehmer denkt man als erstes an die Mitarbeiter/innen und deren Gesundheit.“

2. Durch vorübergehende Kurzarbeit und Homeoffice im Unternehmen mussten organisatorische, kundenspezifische Anpassungen durchgeführt werden, wobei sich manche dieser Maßnahmen als äußerst positiv erwiesen und auch in Zukunft beibehalten werden. Da der Monat März wettertechnisch sehr freundlich war und die Poolkauflust förderte, war das Problem der direkte Kundenkontakt in unserem Schaugarten, der einige Wochen stagnierte. Dafür explodierten die Anfragen und Kundenkontakte nach Ostern um ein Vielfaches gegenüber dem Vorjahr.

3. Ich denke, dass derzeit die gesamte Schwimmbadbranche trotz „Covid-19“ zufrieden sein kann und das Jahr 2020 erfolgreich meistern wird. Die Zukunft ist allerdings schwer zu prognostizieren.

Franz Reps, Compass Pools Deutschland

Franz Reps, Compass Pools Deutschland. Foto: Compass Pools

1. Im ersten Moment haben wir geschluckt, wie viele Händler, Schwimmbadbauer und die gesamte Branche. Im Frühjahr geht es bei uns allen ja gerade los. Wir freuen uns auf den Saisonstart, wollen die Poolliebhaber mit neuen Ideen für den Sommer begeistern – dann fährt man von 100 auf 0 herunter! Bei uns waren genau zu der Zeit größere Messeauftritte geplant. Sie fielen alle flach, genau wie unsere Hausmesse und weitere Veranstaltungen. Man spürte gerade am Anfang der Pandemie eine allgemeine Verunsicherung, bei uns und in allen Branchen. Die Sehnsucht nach Entspannung war bei vielen aber ungebrochen – nach den ersten Wochen heuer vielleicht noch stärker als sonst. Der eigene Pool sorgt für Urlaubsstimmung zuhause, direkt vor der eigenen Tür.

„Das Miteinander mit unseren Partnern klappte trotz der neuen Herausforderung bestens.“

2. Wir und unsere Partner mussten die Ausstellungsräume nach gesetzlichen Vorgaben zeitweise schließen, blieben aber in Kontakt mit unseren Kunden. Bei der Beratung setzten wir noch stärker auf virtuelle Rundgänge und Online-Videoberatung. Unsere Lieferketten waren gesichert, die Produktion im Compass-Werk lief weiter und das Miteinander mit unseren Poolpartnern klappte trotz der neuen Herausforderung bestens. Die Lust, das eigene Zuhause mit einem Pool noch schöner zu machen, ist größer denn je. Reisen sind nicht mehr selbstverständlich, Gesundheit und Hygiene noch wichtiger geworden. Das ist für uns und die gesamte Branche eine große Chance. Wir sind zum Beispiel Spezialisten für gesundes Baden ohne Chemie, für Wasseraufbereitung und Hygiene sowie für die besonderen Momente zuhause.

3. Bei Compass Pools denken wir von Haus aus nicht in Schwierigkeiten, sondern in Möglichkeiten. Das zahlt sich jetzt aus. Wir setzen auf ein gutes Miteinander mit allen Partnern unseres Händlernetzwerks in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg und mit allen Poolkunden. Wer gut zusammenarbeitet, flexibel bleibt, neue Ideen umsetzt und sich miteinander weiterentwickelt, kann einiges bewegen. Auch jetzt, im Ausnahmesommer 2020.

Dietmar Rogg, Schmalenberger GmbH/Fluvo

Dietmar Rogg, Schmalenberger/Fluvo. Foto: Schmalenberger GmbH

1. Die direkte Kommunikation mit unseren Kunden ist ein wesentlicher Baustein für unseren Erfolg. Daher waren Absagen von Veranstaltungen, aber vor allem die Unmöglichkeit der direkten Kommunikation ein „Das-darf-doch-nicht-wahr-sein“. Als Unternehmer kennt man das Auf und Ab als Herausforderung und strebt Lösungen an. Doch diese Situation war erstmalig. Wir haben sofort reagiert und durch viele organisatorische Maßnahmen zuerst den Arbeitsplatz für unsere Mitarbeiter „coronasicher“ gemacht. Danach kamen die Krisensitzungen intern und mit befreundeten Unternehmern. In dieser Phase ging sehr viel Arbeitszeit verloren. Es mussten Entscheidungen getroffen werden, wie wir unsere Prozesse am Laufen und vor allem stabil halten können. Sehr wichtig und wertvoll war anfangs der direkte Kontakt und Austausch mit den Branchenmitgliedern.

 “Ich gehe davon aus, dass unsere Branche gestärkt aus der Situation hervorgeht.“

2. Die wesentlichste Auswirkung der Pandemie war die auf unsere Organisation. Die Lager waren ja bereits gefüllt für die diesjährige Saison. Jetzt galt es, mit reduzierten Zeitkapazitäten umzugehen, bei gleichzeitig stark erhöhter telefonischer Nachfrage und E-Mail-Kommunikation mit unseren Kunden. Erfreulicherweise ging die Nachfrage vor allem in Deutschland nicht etwa zurück, sondern stieg stark an. Denn der Schwimmbadfachhandel war überhaupt nicht betroffen. Die Nachfrage nach privaten Pools ist bis heute ungebrochen.

3. Das Wichtigste sollte immer sein, nicht überzureagieren, sondern mit befreundeten Unternehmern über alles zu diskutieren. Sich ein Bild machen, externe Meinungen einholen, um dann erst Anpassungen im Unternehmen vorzunehmen. Man sollte die Chance nutzen, bestehende Abläufe zu hinterfragen und Optimierungsansätze zu suchen. Das Gespräch zu den Kunden intensivieren, denn jetzt besteht die Chance, neue Ideen zu finden. Ich gehe davon aus, dass unsere Branche gestärkt aus der Situation hervorgeht.

Andreas Schmidt, Dinotec

Andreas Schmidt, Dinotec. Foto: Dinotec GmbH

1. Wir haben zu Beginn der Krise nicht mit diesem Ausmaß gerechnet. Aufgrund kompetenter Beratung haben wir früh begonnen, die einschlägigen Sicherheitsmaßnahmen (Absage von Veranstaltungen, Homeoffice, Hygiene) zum Schutz unserer Mitarbeiter, Kunden und Partner umzusetzen. Wir hatten sogar schon Passierscheine für unsere Mitarbeiter vorbereitet. Natürlich haben wir besonders auf unsere Kosten geachtet und nicht zwingend notwendige Investitionen zunächst auf Eis gelegt. Auch der Zahlungseingang wird sorgfältiger überwacht. Ziel bei allen Maßnahmen war immer, unsere Handlungsfähigkeit hochzuhalten und unsere Kunden optimal zu unterstützen. Glücklicherweise haben wir bisher in unserem Unternehmen keinen „Covid-19“-Fall erleben müssen. Besonders bemerkenswert ist, dass sowohl unsere Mitarbeiter – auf die wir sehr stolz sind – als auch unsere Kunden und Lieferanten voll mitziehen, diese Krise zu meistern. Alle Beteiligten unterstützen uns aktiv.

„Unternehmen müssen in hohem Maße flexibel sein, um handlungsschnell reagieren zu können.“

2. Wir sind unter den gegebenen Bedingungen sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung, besonders in Deutschland. Der Privatkundenmarkt und diverse größere Projekte tragen uns. Rückgänge erleben wir vor allem im Export. Die Länder, die die Pandemie stark getroffen hat (Russland, Frankreich, Italien), haben am meisten verloren. Große Kunden haben ihre Werke zum Teil immer noch im Notbetrieb. Viele Serviceeinsätze im In- und Ausland sind verschoben worden. Klar von Vorteil ist hier unsere Technik: Mit unserem System können wir unseren Kunden per Fernwartung sehr gut helfen. Manche Projekte verzögern sich jedoch, weil einzelne Bauteile erheblich längere Lieferzeiten haben. Wir verwenden viel Kapazität, um Alternativen für solche Fälle zu erarbeiten. Intern haben wir schnell umgestellt auf Online-meetings, Webinare und Telefonbesprechungen. Die Software, die wir dazu angeschafft haben, werden wir auch künftig in unserem Unternehmen stärker nutzen.

3. Die Coronakrise zeigt, dass Unternehmen und deren Mitarbeiter in hohem Maße flexibel sein müssen, um handlungsschnell reagieren zu können. Die Organisation und Ausstattung eines Unternehmens muss dementsprechend sein. Wir haben den Eindruck, dass im privaten Bereich der Trend, in die eigene Immobilie zu investieren, durch die Krise verstärkt wurde. Im öffentlichen Bereich wird sich erst zum Jahresende zeigen welcher Schaden entstanden ist. Eine schnelle Lockerung der Maßnahmen, mehr Menschen, die ihren Urlaub in Deutschland verbringen, und ein guter Sommer könnten einiges kompensieren.

Stefan Schöllhammer, Klafs

Stefan Schöllhammer, Klafs. Foto: Klafs GmbH

1. Eine solche, nie dagewesene Krise stellt uns als Unternehmen, aber auch jeden Einzelnen vor große Herausforderungen. Für uns waren von Beginn an, also seit Ausbruch der Krise, zwei Dinge besonders wichtig: der Schutz unserer Mitarbeiter sowie die Aufklärungsarbeit. Mit Letzterem spreche ich unsere Kommunikation und ausführliche Erläuterung rund um den gesundheitsfördernden Nutzen der Sauna in Zeiten des Coronavirus‘ an.

„Die Krise hat uns vor Augen geführt, dass die Gesundheit das höchste Gut ist.“

2. Wir hatten zeitweise all unsere Ausstellungszentren geschlossen und haben auch die Teilnahme an allen Messen in 2020 abgesagt, da wir Großveranstaltungen dieser Art gegenüber unseren Mitarbeitern und Kunden nicht verantworten können. Dank eines gut durchdachten Hygienekonzepts können wir mittlerweile wieder Kunden in unseren Ausstellungszentren beraten. Trotz der Coronakrise ist das Interesse unserer Kunden an Sauna und Wellness wie auch an Pools ungebrochen.

3. Die Krise hat uns wieder einmal vor Augen geführt, dass Gesundheit das höchste Gut ist. Für mich lässt sich hier ein Rückschluss auf einen, von uns bereits schon vor der Krise gelebten Grundsatz ziehen: den eigenen Körper mit regelmäßigem Saunieren stärken und einen gesunden Lebensstil pflegen.

Wolfgang Stangassinger, BWT Pool Division

Wolfgang Stangassinger, BWT Pool Division. Foto: BWT AG

1. Die Gesundheit hatte bei uns absoluten Vorrang und daher hielten wir die strengen Vorgaben der Regierung für gerechtfertigt. Natürlich war es auch etwas bedrückend, als Schwimmbad-Unternehmen in den Lockdown gehen zu müssen. Die Ereignisse und die damit verbundene schnelle Ausbreitung des Virus‘ haben es aber erfordert. Dennoch haben wir uns auf die Saison gut vorbereitet und konnten mit kleiner Verspätung mit neuen Produkten starten.

„Wir als Gesellschaft werden von dieser Krise lernen und die entsprechenden Schlüsse ziehen.“

2. Wir haben strenge Hygienevorschriften für Mitarbeiter und haben in der Produktion Teams gebildet, um den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren. Nachdem von Urlaubsreisen dieses Jahr eher abgeraten wird, haben sich viele den Traum vom eigenen Pool erfüllen wollen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Poolbranche kein Verlierer dieser Pandemie ist. Unsere Entwicklungsteams haben mit höchstem Einsatz daran gearbeitet, dass es auch nächste Saison tolle neue Lösungen und Produkte geben wird.

3. In einer Zeit, in der Nähe hilft und Distanz Leben rettet, haben wir eine besondere Verantwortung – unser Claim „For You und Planet Blue“ ist aktueller denn je. Wir müssen einen Weg finden, wirtschaftlich zu arbeiten, aber auch auf die Gesundheit jedes Einzelnen achten zu können. Die Branche, und auch die Gesellschaft als Ganzes, wird von dieser Krise lernen und die entsprechenden Schlüsse ziehen.

Ute Wanschura, bsw

Ute Wanschura, bsw. Foto: bsw

1. Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass sich das Blatt noch wendet. Die Gewinner der diesjährigen bsw-Awards hätten wir gerne vor großem Pubklikum geehrt. Aber dann war klar: Veranstaltungen müssen abgesagt werden. Und so mussten wir leider auch zwei Seminare der bsw-Akademie, die Jahrestagung sowie die Frühjahrssitzung des PR- und Marketingausschusses auf Eis legen. Aber es gibt Lichtblicke, etwa für kleinere Veranstaltungen, die in NRW wieder ohne Abstandsregeln stattfinden dürfen. Deshalb holen wir die im Frühjahr stornierten Kommunikations-Workshops Anfang September nach. Die Einladungen sind raus, und die meisten Teilnehmer haben schon zugesagt. Aber natürlich hoffen wir sehr, dass sich die Branche bald wieder – auch in größerer Runde – persönlich treffen darf. Was sich in der Geschäftsstelle seit Ausbruch der Krise geändert hat: Es rufen vermehrt Verbraucher an, die sich für einen Pool interessieren, um sich einen „Urlaubsort ohne Stornogefahr“ zu schaffen.

„Es rufen viele Verbraucher an, die sich einen „Urlaubsort ohne Stornogefahr“ schaffen wollen.“

2. Trotz der Einschränkungen durfte unsere Branche zum Glück weiterarbeiten. Dass viele Menschen plötzlich mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht haben, stärkte den Wunsch, es sich daheim schön zu machen, etwa mit einem eigenen Pool. Auch Reisebeschränkungen gaben Rückenwind für eine verstärkte Nachfrage nach der „Brandung vor der Haustür“. Darüber hinaus sind Gesundheit und Hygiene mehr in den Fokus gerückt. Dennoch: Wir sind nicht alleine auf der Welt und auch nicht nur für Privatkunden tätig. Deshalb ist eine Erholung der Wirtschaft insgesamt – inklusive Gastgewerbe, Messewesen und Reisebranche – für den Schwimmbadsektor wichtig.

3. Das Zuhause aufzuwerten, ist nach wie vor „in“. Davon wird die Schwimmbadbranche profitieren. Die Coronakrise hat dieser Entwicklung weiteren Rückenwind gegeben. Wer lange im Homeoffice gearbeitet hat, wer seinen Kindern erklären musste, dass Schulen, Spielplätze und Vereine geschlossen hatten, ist einem „Wasserspielplatz“ im Garten, der ebenso als Fitnessstudio, Entspannungsoase und Ferienparadies genutzt werden kann, nicht abgeneigt. Hinzu kommt: Das gestiegene Gesundheitsbewusstsein spielt uns ebenso in die Karten wie die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und die jetzt noch mal ausgelösten Turbulenzen an der Börse. Ein eigener Pool ist sicher angelegtes Geld mit Gesundheitsrendite. Doch mit Blick auf Kurzarbeit, Reisebeschränkungen und den strikten Vorgaben für Hotellerie und öffentliche Schwimmbäder: Wir leben davon, dass sich Privatkunden auch Swimmingpools leisten können und dass Hotels, Spa-Resorts und öffentliche Bäder in der Lage sind, zu investieren.

Das berichten unsere europäischen Partnerzeitschriften

Michel Dupenloup („L‘Activité Piscine“, Frankreich): „Ab dem 16. März stand das Wirtschaftsleben bei uns komplett still. Zu diesem Zeitpunkt waren die Auftragsbücher der Poolbranche aber schon für viele Wochen gefüllt. Showrooms und Poolshops blieben bis Anfang Juni zwar geschlossen, doch sie ließen sich Alternativen einfallen: Drive-in-Schalter für Kunden, „Click and Collect“ via Internet oder Lieferservices für Kunden und Partner. Die Poolbauer gingen bei den Kunden weiter ihrer Arbeit nach, natürlich unter Einhaltung der strengen Sicherheitsregeln. Zurzeit ist die Nachfrage nach allen Arten von Pools sehr hoch, die Restriktionen haben bei Vielen den Wunsch nach einem eigenen Swimmingpool genährt. Unsere Branche bleibt auch für die Zukunft optimistisch.“

Rubén Vinagre García („Piscinas Hoy“, Spanien): „Nach dem ersten Schock und dem totalen Lockdown in Spanien hat sich herausgestellt, dass der Pool- und Spa-Sektor aktiv geblieben ist. Zuerst hat man Empfehlungen und Aktionspläne für den privaten und öffentlichen Sektor erarbeitet und fand dann sehr schnell zur alltäglichen Arbeit zurück. Vor allem „Portable Pools“ boomten, große Nachfrage herrschte auch bezüglich Kunststoff-Fertigbecken. Die Aussichten bis Ende des Jahres sind auf jeden Fall positiver als gedacht, aber wir müssen vorsichtig bleiben. Wir gehen davon aus, dass die Branche bis in den November hinein beschäftigt ist. Die Krise hat einen bestehenden Prozess beschleunigt und ihr neue Möglichkeiten eröffnet, vor allem hinsichtlich Digitalisierung und Automation.“

Illustration: Adobe Stocks
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